Straumann kauft "bedeutende" Mehrheitsbeteiligung an DrSmile

(Ergänzt um weitere Angaben sowie um den Aktienkurs)

Basel (awp) - Das Dentalunternehmen Straumann hat eine Mehrheitsbeteiligung an DrSmile gekauft. Das deutsche Unternehmen vertreibt durchsichtige Zahnschienen und bietet Dienstleistungen in diesem Bereich an.

Straumann hat seit 2017 mit der Akquisition von ClearCorrect selber durchsichtige Zahnschienen - sogenannte "Clear Aligners" - im Programm. DrSmile ergänze damit das bestehende Angebot, erklärte des Unternehmens. Straumann verpflichte sich darüber hinaus, das Wachstum von DrSmile bis zu einer vollständigen Übernahme zu finanzieren.

Zum Umfang der Beteiligung und zu finanziellen Aspekten wolle Straumann keine Angaben machen, sagte ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage von AWP. Die Partner hätten sich zu Stilschweigen verpflichtet. DrSmile habe in den letzten drei Jahren den Umsatz jedes Jahr verdoppelt, ergänzte er lediglich. Eine genaue Grösse wollte er indes nicht nennen.

Das deutsche Unternehmen soll operativ eigenständig bleiben und weiterhin von seinen Gründern geführt werden. Das Closing der Transaktion wird noch im dritten Quartal 2020 erwartet.

Beide Partner haben ausserdem vereinbart, einen gemeinsamen Beirat aus klinischen Spezialisten zu etablieren. Dieser soll die klinischen Standards und Prozesse auf Basis von Expertenwissen beurteilen und weiterentwickeln.

Expertise im Direkt-Marketing

Straumann werde von der Expertise der Berliner Gesellschaft im Direkt-Marketing zu den Kunden profitieren, sagte der Sprecher weiter. DrSmile hole potenzielle Patienten via Werbung auf den verschiedensten Medienkanälen auf ihre Website und vermittle ihnen dann eine Partnerpraxis. Diesen wiederum stellt das Unternehmen die digitalen Arbeitsprozesse, die Aligner und Materialien für die Behandlung zur Verfügung.

Damit sichere sich Straumann als Hersteller von transparenten Zahnschienen einen zunehmend wichtiger werdenden Vertriebskanal, ergänze der Sprecher. Hervorzuheben sei auch, dass Straumann über genügend Liquidität verfüge, um auch im aktuellen Umfeld zu investieren.

DrSmile wurde 2017 in Berlin von Jens Urbaniak und Chris Wedemeyer gegründet und beschäftigt rund 200 Mitarbeiter. Mit einem schnell wachsenden integrierten Ärztenetzwerk von mehr als 50 Praxen biete DrSmile seine Behandlungslösung mit Aligner in Deutschland, Österreich und Spanien an, heisst es weiter. Ausserdem expandiere das Unternehmen rasch in mehrere europäische Länder.

Aktien reagieren mit Avancen

Bei den Marktteilnehmern stösst die Akquisition auf Zustimmung. Bis 9.45 Uhr gewinnen die Titel 2,2 Prozent auf 857,60 Franken, während der Gesamtmarkt gemessen am SPI lediglich 0,2 Prozent höher steht.

Analysten bewerten die Transaktion als "positiv". Die Akquisition markiere einen weiteren Meilenstein im Aligner-Geschäft von Straumann und ergebe Sinn, schreibt Daniel Buchta von der Bank Vontobel. Allerdings würden auch die Mitbewerber ähnlich vorgehen, weshalb die Konkurrenz im DTC-Geschäft hoch sei und die Differenzierung auf Preise, Marketing und Kundenwahrnehmung limitiert sei.

DrSmile sei zwar noch klein, weshalb der Deal wohl nicht teuer sein dürfte und problemlos finanziert werden können, ergänzt Sibylle Bischofberger von der ZKB. Die Übernahme helfe aber, das Know-How von ClearCorrect mit Direct-to-Consumer-Marketing zu ergänzen, ein Business-Modell, das bei Clear Alignern erfolgreich angewendet wird.

sig/ra