Schweizer Industrie muss sich beim Thema ESG laut Bank Stifel nicht verstecken

Zürich (awp) - Die Mehrheit der Schweizer Industrieunternehmen erhält beim Thema ESG genügende bis gute Noten. Laut einer Einschätzung der Bank Stifel ist ESG nicht nur ein Modethema sondern wird die Investoren noch länger und verstärkt beschäftigen.

"Das Kriterium ESG (Environment, Social, Governance) ist gekommen, um zu bleiben", sagte Christian Arnold an einem Mediengespräch der Bank Stifel am Donnerstag. Es sei zwar bereits früher nicht unwichtig gewesen und habe im laufenden Jahr aber stark an Aktualität gewonnen. Das Thema werde die Investorenschaft auch noch in den kommenden Jahren begleiten.

"Insgesamt halten sich die Schweizer Industrieunternehmen beim Thema ESG gut", sagte Industrie-Analyst Arnold. Von 50 untersuchten Firmen - 30 davon deckt die Bank mit ihrem Research ab - hätten 35 mehr als die Hälfte der möglichen Punkte geholt.

Geberit und Sika top

Am besten abgeschnitten haben dabei Geberit, Sika, Georg Fischer und Belimo, welche in der Auswertung von Stifel allesamt 13 von 15 möglichen Punkten geholt haben. Für jedes der drei Kriterien Umwelt, Soziales und Unternehmensführung gibt es dabei maximal 5 Punkte. 3 Punkte stehen dabei für ein durchschnittliches Verhalten.

Mit jeweils 12 Punkten folgen dahinter Bossard, Logitech, SFS, SIG Combibloc und Logitech. 10 oder 11 Punkte erhalten auch Grössen wie ABB und Schindler oder weitere bekannte Unternehmen wie Bucher, Conzzeta, Forbo, Interroll und Dätwyler.

Die Einschätzungen von Stifel decken sich zu einem guten Teil mit denjenigen der global aktiven Ratingagenturen, aber nicht ganz. Wo es Abweichungen gebe, sei dies oft auf eine fehlende Kommunikation zurückzuführen. Gerade bei kleineren Firmen fehle oft die Kapazität, um sich intensiv mit den zahlreich eintreffenden Fragebögen der Ratingagenturen zu befassen, erklärte Arnold dazu. Und wo den Agenturen die Informationen fehlten, erteilten sie einfach eine schlechtere Note.

Unterstützung durch sinkende Rohstoffpreise fällt weg

Arnold äusserte sich auch zu seiner Sicht der Lage der Industrieunternehmen im Allgemeinen. Demnach ist die Finanzberichterstattung der Unternehmen zum zweiten und dritten Quartal insgesamt besser ausgefallen als angesichts der Corona-Pandemie befürchtet.

Zwar seien die Umsätze je nach Branche unterschiedlich stark zurückgegangen. Dafür hätten die Unternehmen mit den Gewinnmargen die Erwartungen mehrheitlich übertroffen.

Ein Hauptgrund dafür seien die tieferen Inputkosten aufgrund der global gesunkenen Rohstoffpreise. So seien die Preise vieler Metalle, wie zum Beispiel das wichtige Kupfer, im zweistelligen Bereich gefallen. Geholfen hätten auch die günstigeren Preise für Kunststoff und Energie. Als zweiten Hauptgrund sieht er das seiner Ansicht nach sinnvolle Mittel der Kurzarbeit und als dritten die generell gesunkenen Kosten, etwa für Marketing, Reisen oder wegen ausgefallener Messen.

Mit Blick nach vorne wird Arnold allerdings etwas vorsichtiger. Bereits im vierten Quartal 2020 seien Kupfer und andere Metalle teurer geworden und das dürfte sich im kommenden Jahr fortsetzen. Einige Unternehmen hätten zwar die Preise für notwendige Materialen abgesichert (gehedged), aber spätestens ab dem zweiten Semester komme es dann vermehrt auf die Preissetzungsmacht der einzelnen Firmen an. "2021 wird ungleich schwieriger als 2020", so das Fazit von Arnold.

Die Bank Stifel (Schweiz) gehört über die Stifel Europe Bank (ehemals Mainfirst) zur an der New Yorker Börse gelisteten Stifel Financial Corp.

cf/jb