Swiss-Life-VRP Dörig mahnt rasche Reform bei der Altersvorsorge an

(Mit weiteren Angaben ergänzt)

Zürich (awp/sda) - Der Verwaltungsratspräsident des Lebensversicherungskonzerns Swiss Life, Rolf Dörig, hat zügige Reformen bei der Altersvorsorge angemahnt. Die Rezession und die steigende Zahl der Arbeitslosen angesichts der Coronavirus-Krise liessen die Prämienbeiträge sinken.

So warnte er in den "Zeitungen der CH-Media" vom Samstag. "Das wird die AHV besonders hart treffen, aber auch in der zweiten Säule wird insgesamt noch viel mehr Geld fehlen als bisher schon", sagte der Manager.

Die finanzielle Lage in der Altersvorsorge habe sich durch die Coronavirus-Krise nochmals verschärft. "Die Altersvorsorge leidet unter der demografischen Alterung, die Schere zwischen den Aktiven und den stark zunehmenden Rentnern öffnet sich immer mehr", sagte er. Auch die Lebenserwartung steige und die Pensionskassen kämpften mit fallenden Anlageerträgen, hiess es weiter.

Erhöhung des Rentenalters

Angesichts dieser Situation ging Dörig auf zahlreiche Massnahmen zur Sicherung der Altersvorsorge ein. "Es ist breit anerkannt, dass für Frauen und Männer dasselbe Rentenalter von 65 gelten soll - diesen Schritt muss man nun endlich vollziehen", mahnte er. "Bald werden wir zudem nicht mehr um eine generelle Erhöhung des Rentenalters herumkommen", hob der Swiss-Life-VRP hervor.

Und eine Senkung des Umwandlungssatzes sei schon vor Corona überfällig gewesen - "nun ist sie es erst recht", sagte er. Die vorgesehenen sechs Prozent müssten schnell kommen, forderte Dörig. "Wir müssen die bestehenden Renten sichern und für die Übergangsgeneration eine Lösung ohne Renteneinbussen anstreben", erklärte er. Dazu könne auch die Schweizer Nationalbank (SNB) einen Beitrag leisten, regte der 63-jährige Dörig ausserdem an.

Anzapfen wolle man nur die Gewinne der SNB aus den Negativzinsen. Unter den Folgen der Negativzinspolitik leide etwa die berufliche Vorsorge - insofern würde viel Geld, das derzeit in die allgemeine Bundeskasse flösse, den Versicherten entzogen, sagte er. "Mit diesem Geld kann man einen Teil der Reform der zweiten Säule finanzieren", schlug Dörig gegenüber "CH-Media" vor.

Konkret schlägt Dörig vor, dass der jährliche Beitrag von bis zu 4 Milliarden Franken der SNB nicht voll in die allgemeine Bundeskasse gehen sollte. "Vielmehr müssen jährlich 500 Millionen davon direkt dafür verwendet werden, die Renteneinbussen der Übergangsgeneration auszugleichen." Dieses Geld werde allein den Pensionskassen durch die Negativzinspolitik pro Jahr entzogen.

Wirtschaft braucht nun Handlungsfreiheit

Mit Blick auf die Folgen, die die Coronakrise für die Wirtschaft mitbringt, fordert Dörig einen rascheren Weg zurück zu Normalität. "Der Bundesrat hat Führung gezeigt und Verantwortung übernommen. Aber jetzt ist es an der Zeit, dass die Wirtschaft wieder ihre Handlungsfreiheit zurückbekommt."

Die Politik müsse sich jetzt erst recht auf ihre Kernaufgaben konzentrieren und für die Wirtschaft optimale Rahmenbedingungen zu schaffen, damit das Land möglichst schnell aus der Krise findet. Die Notkredite für Firmen waren laut Dörig absolut richtig. Es gehe darum, Konkurse abzuwenden, vor allem von Klein- und Mittelbetrieben. "Aber jetzt sollten keine weiteren staatliche Kredite mehr gesprochen werden."

Derweil wehrt sich Dörig gegen politische Vorstösse, die einen Erlass von Geschäftsmieten verlangen. "Das widerspricht unserem rechtsstaatlichen Grundverständnis. Es nicht am Staat, in privatrechtliche Verhältnisse einzugreifen."

Die Swiss Life als grosser Vermieter in der Schweiz habe sich von Beginn der Krise kulant gezeigt. "Bei Mieten bis 5'000 Franken haben wir nicht nur Mieten gestundet, sondern auch erlassen." Aber von einer allgemeinen von der Politik verordneten Mietzinsreduktion würden auch Geschäfte oder Konzerne profitieren, die gut laufen. "Und das auf Kosten jetziger und künftiger Rentner."

mk