US-Managergehälter schwappen nach Europa - 56 Mio für Linde-Chef

München (awp/sda/reu) - Bei amerikanisch geprägten Fusionsunternehmen wie Linde und Anheuser-Busch InBev stossen die Cheflöhne auch in Europa in neue Dimensionen vor. Steve Angel, Vorstandschef des Industriegase-Riesen Linde, verdiente im vergangenen Jahr alles in allem 55,8 Millionen Euro.

Dies geht aus einer Analyse der Vergütungsberatung hkp hervorgeht, die der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag vorlag. 41,4 Millionen Euro davon entfielen allein auf Boni und Pensionsansprüche, die vertragsgemäss wegen der Fusion von Linde mit seinem bisherigen Arbeitgeber Praxair sofort zur Auszahlung fällig wurden. Dabei ist es weitgehend das gleiche Unternehmen, das der Amerikaner nun führt.

Roche-Chef Severin Schwan, jahrelang Europas bestbezahlter Manager, wurde mit seinen 12,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr von ABInBev-Chef Carlos Brito deutlich übertroffen. Der Brasilianer kam auf eine Vergütung von 32,7 Millionen Euro und profitierte dabei von einem Programm, mit dem der in Belgien registrierte Brauereikonzern seine Top-Manager langfristig binden wollte.

"Das ist schon ein heftiger Schluck aus der Pulle - und das ohne besonderen Anlass", sagte hkp-Chef Michael Kramarsch der Nachrichtenagentur Reuters. Kramarsch erwartet, dass die hohen Überweisungen an Manager die Politik auf den Plan rufen. "Das sind zwar Einzelfälle, aber diese waren schon in der Vergangenheit Anlass für Regulierung."

Irrglaube der Politik

Schon die neue Aktionärsrechte-Richtlinie der EU, werde ihnen zum Teil ein Ende setzen. Dann müssen die Aktionäre jedes Jahr über den Vergütungsbericht abstimmen.

Hoffnungen, dass die Aktionäre selbst Exzesse unterbinden würden, teilt der Gehaltsexperte allerdings nicht. "Das ist ein Irrglaube der Politik."

Die Schweiz habe eines der rigidesten Systeme zum "Say on Pay", doch seien die Gehälter von Führungskräften dort im Schnitt die höchsten in Europa. Von den vier Top-Verdienern unter den Konzernchefs der 71 Firmen im Stoxx-Europe-50 und im Euro-Stoxx-50-Index arbeiten mit Schwan und UBS-Chef Sergio Ermotti (knapp 12 Millionen Euro) zwei in der Schweiz.

Schweizer Verwaltungsratspräsidenten spitze

SAP-Chef Bill McDermott schafft es mit 10,2 Millionen Euro als einziger Chef eines deutschen Unternehmens in die "Top sechs", die auf mehr als 10 Millionen Euro kommen. Im Schnitt stagnierten die Gehälter von Europas Top-Managern 2018 bei 6 Millionen Euro, wenn man den Ausreisser Brito herausrechnet. Zum Vergleich: Im Dow-Jones-Index lag das Durchschnittsgehalt eines Konzernchefs im Schnitt bei 16,9 Millionen Euro.

In den Aufsichtsgremien spielen die Verwaltungsratschefs in der Schweiz traditionell in einer anderen Liga. Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber kommt bei der UBS auf 4,9 Millionen Euro, Jörg Reinhardt (Novartis) bekommt als Nummer vier mit 3,3 Millionen Euro noch doppelt so viel wie der nächstplatzierte HSBC-Chairman Mark Tucker.

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