Swisscom kommt dank italienischer Tochter gut durch Coronakrise

(Zusammenfassung)

Bern (awp) - Die Swisscom ist im ersten Halbjahr mit relativ geringen Beschwerden durch die Coronakrise gekommen. Dies hat der grösste Schweizer Telekomkonzern der Mailänder Tochter Fastweb zu verdanken, obwohl Italien am Anfang des Corona-Ausbruchs so hart getroffen wurde wie kein anderes Land in Europa.

Als die Regierung in Rom wegen der Seuche Ausgangssperren verhängte und Unternehmen schloss, sassen viele Italiener in ihren Wohnungen ohne Internet. Dies habe die Nachfrage nach Breitbandanschlüssen hoch getrieben, sagte Swisscom-Chef Urs Schaeppi am Donnerstag in einer Telefonkonferenz. Fastweb habe erneut Kunden gewonnen.

Auch bei den Geschäftskunden sei Fastweb gewachsen, weil die italienischen Unternehmen für das Homeoffice im Lockdown eine gute Infrastruktur gebraucht hätten. "Dort haben wir gute Geschäfte gemacht", sagte Schaeppi. Dies trieb bei Fastweb Umsatz und Betriebsgewinn (EBITDA) um je rund 5 Prozent nach oben.

Dennoch sank der Konzernumsatz der Swisscom um 3,9 Prozent auf 5,4 Milliarden Franken. Der operative Gewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) fiel um 1,4 Prozent auf 2,2 Milliarden Franken. Unter dem Strich erzielte die Swisscom einen Reingewinn von 736 Millionen Franken. Das ist ein Rückgang um 5,6 Prozent im Vergleich im Vorjahressemester. Mit den Zahlen hat sich die Swisscom operativ besser geschlagen als erwartet.

Schweizer Geschäft erodiert weiter

Schuld am Rückgang ist erneut das Schweizer Geschäft, das viel weniger von der höheren Internetnutzung während der Coronakrise profitierte als das italienische. Zwar schoss auch hier die Netzbelastung wegen Netflix, Homeoffice und Heimunterricht nach oben. Aber hierzulande sei die Lage ganz anders: Der Schweizer Markt sei gesättigt und Pauschaltarife seien im Mobilfunk und Internet sehr verbreitet.

"Somit lässt sich der Nutzungsanstieg nicht in zusätzlichen Umsatz umsetzen", sagte der Swisscom-Chef. Überdies erhielten viele Kunden während der Lockdown-Zeit gewisse Angebote gratis wie etwa mehr Internetgeschwindigkeit oder ein höheres Datenvolumen. Die TV-Kunden bekamen kostenlose Bezahlsender von Teleclub.

"Zusätzliche Umsätze konnten wir dagegen im Geschäftskundenmarkt machen. Insgesamt kann man aber nicht sagen, dass die Coronakrise für die Swisscom Schweiz ein Umsatztreiber war", sagte Schaeppi.

Roamingeinnahmen weggebrochen

So brachen in der Zeit der Grenzschliessungen die Geschäftsreisen weg, was auf die Roamingeinnahmen durchschlägt. Von den 165 Millionen Franken Umsatzrückgang bei Swisscom Schweiz im ersten Halbjahr sei rund ein Viertel auf die Roamingeinbussen zurückzuführen, hiess es. Der Rest sei vor allem mit dem Preisdruck zu begründen.

Zudem sackten die Verkäufe in Shops und über Vertriebspartner ab, weil viele Läden während des Lockdowns geschlossen waren. So wurde beim Geräteabsatz wie beispielsweise Handys oder Tablets das hohe Volumen aus dem Vorjahr nicht erreicht.

Um Gegensteuer zu geben, drückte die Swisscom erneut auf die Ausgabenbremse. "Der Rückgang im Kerngeschäft konnte dank verbesserter Effizienz grösstenteils aufgefangen werden." Im ersten Halbjahr hat die Swisscom die Kosten um 64 Millionen Franken gesenkt. In der Schweiz wurden 509 Vollzeitstellen abgebaut.

Zudem gab der "blaue Riese" weniger für Werbung, Einkauf von Geräten und Kundenabwerbung von der Konkurrenz aus. Auch die Aufwände fürs Roaming sanken, weil weniger Schweizer ins Ausland reisten und dortige Handynetze nutzten. Die Swisscom sei auf Kurs zum Sparziel von über 100 Millionen Franken im Gesamtjahr 2020, sagte Finanzchef Mario Rossi.

Wettbewerb bleibt hart

Die am Vortag angekündigten Elefantenhochzeit in der Telekombranche zwischen Sunrise und UPC werde den Konkurrenzkampf nicht wesentlich verändern, sagte der Swisscom-Chef: "Der Wettbewerb wird hart bleiben und von Innovationen getrieben sein. Die Preise werden sicher nicht hoch gehen."

Dass es eine Konsolidierung in der Telekombranche gebe, sei nicht überraschend, wenn man ins Ausland schaue. Die Konsolidierung werde von den Kunden getrieben, die immer mehr Bündelangebote nachfragen würden. Zudem suchten die Telekomanbieter wegen des Preis- und Margendrucks Synergien. Und grössere Unternehmen könnten die nötigen Investitionen für den Ausbau der Mobilfunk- und Glasfasernetze besser stemmen, erklärte Schaeppi: "Der Wettbewerb spielt heute und wird auch morgen spielen."

jb/jr