Aktien von Swatch und Richemont erholen sich dank Hongkong-Hoffnungen

Zürich (awp) - Die Aktien der Swatch Group und Richemont schiessen am Mittwoch zu Handelsbeginn in die Höhe. Getragen werden die Titel von der Hoffnung, die politisch aufgeheizte Lage in Hongkong könnte sich schon bald beruhigen. Hongkong gilt für die Schweizer Uhrenindustrie als der weltweit wichtigste Absatzmarkt. In den vergangenen Wochen hatten heftige Demonstrationen in der ehemaligen britischen Kolonie das Geschäft der Uhrenverkäufer belastet.

Auch an der Börse hatten die Unruhen in Hongkong den Aktien von Luxusgüterfirmen wie Swatch und Richemont zuletzt stark zugesetzt. Nun können sich die Titel davon etwas erholen. Am Mittwoch rücken Swatch Group um 10 Uhr um satte 4,3 Prozent auf 270,30 Franken und Richemont um 4,0 Prozent auf 77,02 Franken vor, dies in einem festen Gesamtmarkt (SMI +1,3%). Ende letzten Jahres hatten die Kurse noch deutlich höher bei 286,70 respektive 63 Franken gelegen.

Die Hoffnung auf Entspannung in Hongkong wird von einem Bericht der Zeitung "South China Morning Post" genährt. Demnach will die Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam nach monatelangen Protesten den Entwurf für das umstrittene Gesetz für Auslieferungen nach China komplett zurückziehen. Unter Berufung auf Regierungskreise hiess es, Carrie Lam werde am Nachmittag (Ortszeit) eine entsprechende Entscheidung verkünden.

Der bereits auf Eis gelegte Gesetzentwurf war der Auslöser der Demonstrationen in der chinesischen Sonderverwaltungsregion. Dieser hatte für die Luxusgüterindustrie unter anderem zur Folge, dass weniger Touristen vom chinesischen Festland in die Einkaufsmetropole reisten und Uhren- und Schmuck-Boutiquen aufgrund der teils heftigen Auseinandersetzungen der Demonstranten mit der Polizei während mehrerer Tage geschlossen blieben. Auch wurde befürchtet, das chinesische Militär könnte in Hongkong einschreiten.

Mit einem formellen Rückzug des umstrittenen Gesetzesentwurfes würde Regierungschefin Lam eine wesentliche Forderung der Demonstranten erfüllen und erstmals konkret Entgegenkommen demonstrieren. Das könnte Marktbeobachtern zufolge zur Beruhigung auf den Strassen Hongkongs und einer Normalisierung der Lage führen, wovon die Luxusgüteraktien profitierten.

Bereits in den vergangenen Monaten haben die Uhrenhändler in Hongkong - vor allem wegen des Handelskonflikts USA/China - weniger Schweizer Uhren bestellt. Besonders im Juni (-27%), aber auch im Juli (-1,3%) waren im Vergleich zum Vorjahr weniger Uhren in den wichtigsten Absatzmarkt für die Branche exportiert worden. Nach sieben Monaten resultierte ein Rückgang der Exporte von 5,8 Prozent auf 1,71 Milliarden Franken. Der Anteil Hongkongs an den gesamten Schweizer Uhrenexporte betrug gut 13 Prozent.

Im August rechnen Marktbeobachter nun gar mit einem sehr deutlichen Einbruch der Uhrenverkäufe in Hongkong. Die französische Bank Société Générale etwa schätzt, dass beispielsweise die Swatch Gruppe mit ihren Marken wie Omega, Tissot oder Longines 40 bis 50 Prozent weniger Umsatz erzielt haben dürfte.

Aufschluss darüber wie stark die Uhrenexporte letzten Monat unter den Unruhen gelitten haben, gibt die am 19. September zur Publikation anstehende August-Statisitk des Schweizerischen Uhrenverbands (FH).

mk/uh