Banken sehen langsames Abflauen der Nachfrage nach Corona-Krediten

(Meldung durchgehend ergänzt mit Angaben der Banken)

Bern/Zürich (awp) - Die Schweizer Banken dürften die stärkste Nachfragewelle nach Covid-19-Krediten an Schweizer KMU mittlerweile hinter sich haben. In den vergangenen acht Tagen waren die Institute und ihre Mitarbeitenden mit der Bearbeitung von zehntausenden von Anträgen nach Liquiditätskrediten stark gefordert. Die Nachfrage bleibt weiterhin hoch.

Insgesamt haben die Bankinstitute in der Zeit vom 26. März bis zum 2. April insgesamt 76'034 Covid-19-Kredite mit einem Volumen von rund 14,3 Milliarden Franken vergeben, wie das Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) am Freitag bekannt gab. Der geschätzte durchschnittliche Bürgschaftsbetrag des Bundes habe sich dabei auf 188'000 Franken betragen.

Sonderschichten und Pensionierte

Alle angefragten Bankinstitute berichten auf Anfrage über eine hohe Arbeitsbelastung zur Bearbeitung der Kreditanträge. Viele Raiffeisen-Banken hätten ihre Teams im Bereich Firmenkunden verstärkt, hiess es bei der Genossenschafts-Bank. Raiffeisen habe bis am frühen Freitagmorgen etwa 1,2 Milliarden Franken an rund 12'500 Kreditsteller ausgezahlt. Immerhin gehe die Anzahl eingehender Antragsgesuche seit Mitte Woche zurück, so eine Sprecherin.

Auch bei der Baselbieter Kantonalbank (BLKB), die Covid-19-Kredite von rund 100 Millionen Franken vergaben hat, wurde das Team personell "dem Ansturm angepasst und aufgestockt", wie eine Sprecherin sagte. Man habe in der Unternehmenskundenberatung zur Unterstützung aber auch pensionierte Kundenberatende zurück in den Einsatz geholt.

Ähnlich sieht es bei Valiant aus. Die Mitarbeitenden hätten abends und am Wochenende Sonderschichten gemacht, um die Anträge auch schnell zu verarbeiten, sagte ein Bankensprecher. Valiant hat bisher Covid-Kredite über 200 Millionen Franken vergeben. An Spitzentagen seien über 500 Anträge pro Tag bearbeitet worden, am Donnerstag seien es noch 140 gewesen, so der Sprecher.

Roboter angelernt

Noch deutlich grössere Dimensionen vermelden die beiden Grossbanken. Die UBS hat bisher KMU-Liquiditätskredite über rund 1,8 Milliarden Franken vergeben, bei der CS ist ein Gesamtvolumen von 1,5 Milliarden.

Bei der UBS waren laut einem Sprecher 300 zusätzliche Mitarbeitende im Einsatz, derzeit seien es noch 100. Die grösste Schweizer Bank hat für die Bearbeitung der Antragsflut darüber hinaus auch 100 "Roboter" im Einsatz, die von Menschen "angelernt" werden mussten. Anfänglich seien bei der UBS täglich 6000 Anträge eingetroffen - mittlerweile seien es noch etwa 2000 pro Tag.

Falsch ausgefüllte Formulare

Erschwert wird der Verarbeitungsprozess bei allen Instituten durch nicht korrekt ausgefüllte Formulare. Dies führe dazu, dass rund 25 Prozent der Kredite abgelehnt werden müssten, erklärte etwa ZKB-Chef Martin Scholl am Freitag in einem Interview mit der NZZ: Das bereite der Bank viel Zusatzarbeit.

Bei der UBS hiess es sogar, dass rund ein Drittel der eingereichten Formulare der KMU zurückgesendet werden mussten. Nachdem der Bund das Formular auf der Webseite angepasst habe, sei die Anzahl der fehlerhaft eingereichten Anträge merklich kleiner geworden, heisst es derweil bei der Credit Suisse.

Auch einige Betrüger

Etwas anders geht man bei der Valiant vor: Der Bank sei es wichtig, mit jedem KMU zu sprechen, sagte der Sprecher - was zu sehr wenigen "falschen Formularen" aber auch zu einer durchschnittlichen Bearbeitungszeit von rund 2 Stunden führt. Die Ablehnungsquote sei bei Valiant aber kleiner als 1 Prozent: Darunter seien KMU, die schon vor der Coronakrise Schwierigkeiten hatten oder auch Betrüger.

Die Banken sähen, ob die Kunden ehrlich seien, mahnte auch ZKB-CEO Scholl gegenüber der NZZ. Die Firmen sollten in dieser Hinsicht "die IT-Systeme der Banken nicht unterschätzen", zumal bei Betrug im schlimmsten Fall eine Freiheitsstrafe drohe, warnte er. "Aber eines kann klar gesagt werden: Die absolute Mehrheit der Unternehmen handelt sehr korrekt."

tp/uh