Aktien Europa Schluss: Verluste - Evergrande-Sorgen schwelen weiter

PARIS/LONDON (awp international) - Der EuroStoxx 50 hat am Freitag seine jüngste Erholung abgebrochen. Börsianern zufolge dämpften die Unsicherheit um den insolvenzbedrohten chinesischen Immobilienriesen Evergrande sowie die am Sonntag anstehende Bundestagswahl in Deutschland das Kaufinteresse.

Der Leitindex der Eurozone fiel um 0,87 Prozent auf 4158,51 Punkte. Auf Wochensicht ergibt sich aber trotz des Kursrutsches am Montag ein Plus von 0,67 Prozent.

In Paris verlor der Cac 40 am Freitag 0,95 Prozent auf 6638,46 Zähler. Der FTSE 100 in London gab um 0,38 Prozent auf 7051,48 Punkte nach.

Die Anleger seien hin- und hergerissen zwischen der Hoffnung auf eine Evergrande-Rettung in letzter Minute und der Sorge, dass die Regierung in Peking "den Immobilienriesen gegen die Wand fahren lässt", schrieb Analyst Timo Emden von Emden Research. "Mit der anstehenden Bundestagswahl und den schwelenden Sorgen rund um Evergrande gehen Anleger lieber auf Nummer sicher und versilbern einen Teil ihrer Gewinne."

Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect nannte zudem die schwache Entwicklung des deutschen Ifo-Index als weiteren Belastungsfaktor. "Es deutet sich eine potentielle Verlangsamung der Konjunktur an, die in eine Flaschenhals-Rezession münden kann. Diese Gefahr ist nicht unerheblich, da zusätzlicher Kostendruck von der Rohstoffseite und ein wahrnehmbarer Inflationsdruck am Wirtschaftshorizont zu sehen sind." Das Ifo-Geschäftsklima, Deutschlands wichtigstes Konjunkturbarometer, fiel stärker als von Analysten erwartet. Es war der dritte Rückgang in Folge, was Experten für gewöhnlich als konjunkturellen Wendepunkt deuten.

Unter den Einzelwerten stiegen die Aktien von Astrazeneca als Spitzenreiter im europäischen Auswahlindex Stoxx 50 um rund zwei Prozent. Der britische Pharmakonzern hatte positive Studiendaten zum Krebsmittel Lynparza veröffentlicht. Im Bereich Prostatakrebs besitze das Mittel Blockbusterpotenzial, urteilte Analyst James Gordon von der US-Bank JPMorgan.

An der "Footsie"-Spitze zogen die Anteilsscheine von Rolls-Royce um gut vier Prozent an, nachdem das Analysehaus Redburn die Papiere des Triebwerksherstellers zum Kauf empfohlen hatte. Der Experte Jeremy Bragg schrieb, das Management habe die Zeit der Corona-Pendemie dazu genutzt, die Kostenbasis umzustrukturieren. "Erhebliches Aufwärtspotenzial" für die Aktien ergebe sich nun dadurch, dass mittlerweile wieder mehr Grossraumflugzeuge unterwegs seien.

Die B-Aktien von Volvo büssten fast ein Prozent ein. Hier hatte das Brokerhaus Stifel die Kaufempfehlung für Papiere des Nutzfahrzeugherstellers gestrichen. Analyst Alexander Wahl geht davon aus, dass die Knappheit von Halbleiterprodukten den Gewinn auch 2022 noch beeinträchtigen wird.

Die neu an die Börse gekommene Dienstleistungssparte Majorel des Bertelsmann-Konzerns hatte indes in Amsterdam einen schwachen Start hingelegt. Zum Handelsschluss notierten die Anteilsscheine bei 31,20 Euro und damit fünfeinhalb Prozent unter dem Ausgabepreis von 33,00 Euro je Aktie./la/jha/