Aktien Europa Schluss: Evergrande-Krise belastet teils deutlich

PARIS/LONDON (awp international) - Ein drohender Zusammenbruch des chinesischen Immobilienkonzerns Evergrande hat am Montag auch Europas wichtigste Aktienmärkte teils deutlich ins Minus gezogen. Evergrande hat Schulden von umgerechnet mehr als 300 Milliarden US-Dollar (256 Mrd Euro) angehäuft. Der angeschlagene Konzern muss frisches Geld auftreiben, um Banken, Zulieferer und Anleihegläubiger zu bezahlen. Anleger befürchten einen Zahlungsausfall. Die Probleme haben sich laut Beobachtern für Evergrande in den letzten Monaten verschärft, weil Peking strengere Regeln für den hoch verschuldeten Immobiliensektor des Landes durchsetzt.

Der EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone war zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit rund zwei Monaten gefallen und notierte am Ende 2,11 Prozent niedriger bei 4043,63 Punkten. In Paris fiel der Cac 40 um 1,74 Prozent auf 6455,81 Zähler. Der FTSE 100 ("Footsie") in London verlor 0,79 Prozent auf 6908,48 Punkte.

"Die Angst vor einer nächsten Immobilienkrise ist zurzeit gross", schrieb Marktexperte Christian Henke vom Handelshaus IG. Die chinesische Regierung scheine nicht bereit zu sein, Evergrande zu helfen. "Die Sorge ist nun, dass weitere Konzerne aus diesem Sektor in die Tiefe gerissen werden und sich daraus möglicherweise eine neue Immobilienkrise entwickelt. Erinnerungen an die Pleite der US-Bank Lehman Brothers im Jahr 2008 werden wach." Henke verwies damit auf die aus dem Lehman-Debakel resultierende weltweite Finanzmarktkrise.

Dazu passte, dass aus Branchensicht Bankaktien mit einem Minus von 4,3 Prozent europaweit die grössten Verluste hinnehmen mussten. Am EuroStoxx-Ende knickten die Anteilsscheine von BBVA um 7,5 Prozent ein.

Auch fast alle anderen Sektoren verzeichneten Verluste. Lediglich die als defensiv geltende Pharmabranche rettete ein Plus ins Ziel und legte um 0,3 Prozent zu.

Schlusslicht in dem Auswahlindex Stoxx-50-Index waren die Aktien von Prudential mit einem Minus von mehr als acht Prozent. Sie reagierten damit auf Kapitalerhöhungspläne des britischen Lebensversicherers. Einen Teil des Verkaufserlöses will das Unternehmen für die Rückzahlung bestehender hochverzinslicher Anleihen verwenden, der Restbetrag soll in das Geschäft in Asien und Afrika investiert werden.

Gegen den schwachen Markttrend stiegen die Anteilsscheine von Astrazeneca als Stoxx-50-Spitzenreiter um gut sechs Prozent. Sie profitierten von positiven Studiendaten zu dem Brustkrebs-Medikament Enhertu. Nach Unternehmensangaben reduzierte Enhertu bei Patienten mit einer bestimmten Form des metastasierendem Brustkrebs das Risiko einer weiteren Entwicklung der Krankheit oder des Todes deutlich.

In London reagierten die Anleger der Fluggesellschaft IAG euphorisch auf die Ankündigung des Coronavirus-Koordinators des Weissen Hauses, dass Ausländer mit einer Corona-Impfung ab November wieder in die Vereinigten Staaten einreisen können. Die Reisebranche und die Wirtschaft dürften damit aufatmen, aber auch viele Privatleute, die über Monate von Familienmitgliedern und Freunden getrennt waren und auf US-Urlaube verzichten mussten. Die IAG-Papiere schnellten an der "Footsie"-Spitze um mehr als elf Prozent in die Höhe. Für die Aktien von Air France-KLM ging es in Paris um gut fünf Prozent nach oben./la/jha/