Markt: ABB im Zuge von Beteiligungsspekulationen gesucht

Bern (awp) - Die Aktien des Industriekonzerns ABB stossen auch am frühen Mittwochnachmittag wieder auf Kaufinteresse. Händler berichten von Anschlusskäufen und verweisen in diesem Zusammenhang auf Börsengerüchte, wonach einer oder mehrere bedeutende Aktionäre ihre Beteiligungspakete ausbauen könnten.

Nachdem ABB Namen im frühen Handel noch einen eher schweren Stand hatten, gewinnen sie um 13.34 Uhr gut 1,1 Prozent auf einen Tageshöchststand von 23,21 Franken. Der Gesamtmarkt (SMI) notiert im Gegenzug um knapp 0,2 Prozent unter dem Schlussstand vom Vortag. Gegenüber den beiden vorangegangenen Handelstagen sind die Umsätze allerdings abflachend.

Auslöser der Beteiligungsspekulationen waren dem Vernehmen nach kritische Aussagen eines ranghohen Vertreters des Grossaktionärs Cevian Capital gegenüber dem schwedischen Wirtschaftsblatt "Dagens Industri". Angesichts der enttäuschenden Aktienkursentwicklung neige sich die Geduld der Anleger mit ABB dem Ende zu. Es bedürfe seitens des Unternehmens nun dringender Massnahmen, so lautete der Tenor.

Gleichzeitig wurde Konzernchef Ulrich Spiesshofer für eine frühere Aussage kritisiert, wonach ABB kein Firmenkonglomerat sei. Cevian Capital fordert seit Jahren eine Abspaltung der Sorgensparte "Stromnetze" - bisweilen aber ohne in der Geschäftsleitung oder im Verwaltungsrat auf Gehör zu stossen.

Schon im April zeigten sich Vertreter der beiden Grossaktionäre Cevian Capital und Artisan Partners in der Wirtschaftspresse enttäuscht von der Aktienkursentwicklung. Gemeinsam kontrollieren die beiden Finanzinvestoren geschätzte 8 Prozent der Stimmen. Mit Abstand bedeutendster Aktionär bleibt aber die Beteiligungsgesellschaft Investor AB der Familie Wallenberg.

Wie das vor wenigen Wochen veröffentlichte Ergebnis zeigt, gelangen ABB im zweiten Quartal operativ zwar gewisse Fortschritte. Rückblickend reichen diese jedoch nicht aus, um den Aktien neues Leben einzuhauchen. Den Dividendenabgang nicht berücksichtigt, zählen die Titel mit einem Minus von gut 11 Prozent seit Jahresbeginn noch immer zu den Schlusslichtern aus dem SMI. Nur die Aktien von Adecco schnitten noch schlechter ab.

Händler schliessen deshalb nicht aus, dass Grossaktionäre wie Cevian Capital oder Artisan Partners ihren Einfluss verstärken wollen. Dies gegebenenfalls auch über Titelkäufe.

lb/kw