Inficon erzielt 2018 trotz Bremsspuren zu Jahrsschluss Rekordergebnis

(Zusammenfassung)

Zürich (awp) - Trotz einer markanten Abkühlung in den Schlussmonaten hat das Messtechnikunternehmen Inficon im Jahr 2018 ein weiteres Spitzenergebnis geschafft. Erstmals in seiner Geschichte knackten die Ostschweizer die Grenze von 400 Millionen Dollar Umsatz. Nun ist die mehrjährige Rekordjagd vorerst vorbei: 2019 erwartet Konzernchef Lukas Winkler keine neuen Bestmarken mehr.

Solche hat das Unternehmen aus Bad Ragaz im 2018 auf allen Ebenen erzielt. Der Umsatz stieg um 10 Prozent auf 410,4 Millionen und der Betriebsgewinn (EBIT) um 11 Prozent auf 81,5 Millionen Dollar. Unter dem Strich klingelte ein Reingewinn von 64,2 Millionen Dollar in der Kasse. Das sind 8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Allerdings gab es in den letzten Monaten deutliche Bremsspuren. Nach dem Höhepunkt im ersten Quartal tauchte das Geschäft in Asien, im Schlussquartal habe es gar einen Absturz gegeben.

Der Umsatz fiel im vierten Quartal um 8 Prozent auf 94,2 Millionen Dollar. Der EBIT sackte um ein Drittel auf 14,9 Millionen Dollar ab, während der Reingewinn gar um 40 Prozent auf 13 Millionen Dollar abstürzte.

Abkühlung bei OLED-TV-Displays

Der stärkste Gegenwind blies im Halbleiter- und Displaygeschäft, welches die grösste Sparte des Unternehmens ist. Holprig lief es insbesondere bei den OLED-Bildschirmen, die Inficon in den letzten Jahren massiven Schub verliehen hatten.

Bei den Herstellern von klassischen OLED-Displays seien mittlerweile Überkapazitäten vorhanden, sagte Winkler. Hier habe sich die Nachfrage nach Komponenten für neue Fertigungskapazitäten nach dem Boom der letzten Quartale abgekühlt.

Auch in der Sicherheitssparte hat das Geschäft in den vergangenen Monaten gelitten. Hier sei Inficon stark von der amerikanischen und chinesischen Regierung abhängig, die etwa 70 Prozent des Umsatzes ausmachen würden. "Das Auf und Ab hält an", sagte Winkler. Der kleinere Energiegeschäft, wo Inficons Sensoren unter anderem Lecks in Gasleitungen entdecken sollen, hat indes zugelegt.

Am meisten Freude habe das Kühl-, Klimaanlagen und Automobilgeschäft bereitet, das in den vergangenen Jahren im Schnitt stets über 11 Prozent zugelegt habe. Hier stagnierte zwar das Geschäft mit Herstellern von Kühlschränken und Klimaanlagen. Dafür wuchs das Servicegeschäft.

Und beim Autogeschäft profitiert Inficon von der Elektromobilität. Batterien für E-Autos seien gefährlich: Sie müssten auf Lecks überprüft und im Betrieb gekühlt werden. "Das hilft unserem Geschäft, das immer noch deutlich wächst", sagte Winkler.

Hoffnungen auf flexible Bildschirme

Hoffnungen setzt Konzernchef Winkler auf die faltbaren Handys, wie sie jüngst beispielsweise von Samsung, Huawei und Co angekündigt worden sind. Es sehe im Moment so aus, dass dort die nächste Welle bei den Bildschirmen rollen werde. Denn die Technik bei den flexiblen Bildschirmen sei noch nicht ganz ausgereift. Dorthin dürfte 2019 ein beträchtlicher Teil der Investitionen der Bildschirmhersteller fliessen und nicht in die herkömmlichen OLED-Bildschirme für Fernsehgeräte.

"Wie gross die Welle wird, weiss ich nicht", sagte Winkler. Heute gebe es erst die klappbaren Displays, aber es dürften auch dehnbare und rollbare Displays auf den Markt kommen.

Dennoch: "Im Moment sieht es so aus, als gebe es keine Killer- oder Knüllerapplikation bei der Nachfrage. Die Handys scheinen die Revolution hinter sich zu haben und sind eher in einer evolutionären Entwicklung", sagte Winkler. Insgesamt bleibe das Handy ein Treiber. "Es wird aber nicht mehr der überragende Treiber im Halbleiter und Displaygeschäft sein", sagte Winkler.

Und im Sicherheitsbereich habe Inficon keine grössere Bestellung der amerikanischen Regierung in Aussicht. "Das kann sich zwar manchmal schnell ändern. Dennoch sind wir heute da eher vorsichtig, sagte Winkler. Der klassische Herstellermarkt für Kühlschränke und Klimaanlagen hängt dagegen von Bauindustrie ab. Die stagniere aber im Moment. Das Autogeschäft dürfte das Resultat von 2018 erreichen oder leicht übertreffen.

Insgesamt ist die mehrjährige Rekordjagd fürs erste vorbei. Für 2019 erwarte man keine neuen Rekordergebnisse mehr, sagte Inficon-Chef Winkler im Gespräch. Für das angelaufene Jahr 2019 rechnet Inficon lediglich noch mit einem Umsatz von rund 400 Millionen Dollar und einem EBIT von knapp 80 Millionen Franken.

jb/uh