Swiss Steel-Grossaktionär verzichtet auf Rekurs gegen Finma-Entscheid

Zürich (awp) - Beim Stahlkonzern Swiss Steel stehen die Zeichen auf Entspannung: Die Grossaktionärin Liwet um den russischen Milliardär Viktor Vekselberg will auf einen Rekurs gegen einen Entscheid der Finanzmarktaufsicht Finma verzichten.

Grund dafür sei der Einstieg des Thurgauer Unternehmers Peter Spuhler, gab Liwet am Dienstagabend in einem Communiqué bekannt. Spuhler hatte vergangene Woche über seine Beteiligungsgesellschaft PCS Holding 10 Prozent der Swiss Steel-Aktien von Hauptaktionär Bigpoint des Amag-Besitzers Martin Haefner gekauft. Die Liwet Holding begrüsse den Erwerb von 10 Prozent der Swiss Steel-Aktien durch Peter Spuhler, erklärte die Gesellschaft.

Damit sei Spuhlers PCS zum Ankeraktionär von Swiss Steel geworden, während der Anteil der Bigpoint Holding von Martin Haefner von 51,4 auf 41,4 Prozent zurückgegangen sei. Die Liwet Holding und Complexprom halten ihrerseits zusammen 25,9 Prozent an Swiss Steel. Liwet hatte ursprünglich ein allgemeines Pflichtangebot von Bigpoint für alle Aktionäre verlangt.

"Aufgrund dieser erfreulichen Entwicklung wird, ohne irgendwelche Absprachen, auf den Weiterzug des Verfahrens an das Bundesverwaltungsgericht verzichtet", auch wenn man von der Rechtmässigkeit der Beschwerde bei der Finma überzeugt sei, erklärte Liwet.

Liwet: Ungünstige Machtballung beendet

"In der Sache ist die ungünstige Machtballung beendet, und zudem erfährt Swiss Steel eine klare strategische Aufwertung mit der Einbindung eines Industriellen mit dem Renommée eines Peter Spuhlers. Liwet wird deshalb keine weiteren rechtlichen Schritte in dieser Angelegenheit unternehmen und freut sich auf die konstruktive Zusammenarbeit mit allen Aktionären der Swiss Steel", erklärte die Gesellschaft um Vekselberg.

"Wir sind überzeugt, dass die Veränderungen der Aktionärsstruktur in der vergangenen Woche zum Vorteil sowohl der Aktionäre als auch der Mitarbeitenden, ja aller Stakeholder der Swiss Steel Gruppe sind. Statt einem dominierenden Hauptaktionär, der mehr als die Hälfte der Anteile hielt, sind wir jetzt einen entscheidenden Schritt vorangekommen, um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Gross- und Kleinaktionären zu erreichen", hiess es weiter. Liwet sei erfreut über diese neueste Entwicklung und werde zur Sicherung der Zukunft von Swiss Steel und der Arbeitsplätze beitragen, äusserte sich Liwet-Verantwortlicher Alexey Moskov.

Aufstieg Haefners führt zu Knatsch

Vergangene Woche war bekannt geworden, dass Haefner 306 Millionen Aktien an Spuhlers PCS verkauft hat. Damit sank seine Beteiligung wieder unter die Marke von 50 Prozent, die er in den vergangenen zwei Jahren mit Kapitalerhöhungen und der Übernahme der Anteile der Gründerfamilie überschritten hatte. Zuvor hatte Haefners Bigpoint rund 10 Prozent an Swiss Steel besessen.

Der Aufstieg Haefners zum Mehrheitsaktionär führte zur Auseinandersetzung mit Liwet. Vergangenen Donnerstag wurde bekannt, dass die Finma die Beschwerde von Liwet gegen eine Verfügung der Übernahmekommission (UEK) abgewiesen hatte. Liwet hatte mit einer Reihe von rechtlichen Schritten versucht durchzusetzen, dass Bigpoint doch noch ein allgemeines Pflichtangebot an alle Swiss-Steel-Aktionäre unterbreiten muss.

Ein entsprechendes Gesuch wurde seinerzeit von der Übernahmekommission abgelehnt, womit die von Swiss Steel geplante Kapitalerhöhung voranschreiten konnte. Gegen diese Verfügung der UEK hatte Liwet eine Beschwerde bei der Finma erhoben, welche ihrerseits abgewiesen wurde.

jb/tp