Interview Bellevue-CEO: Gesundheitsthema fristet nicht mehr Nischendasein

Zürich (awp) - Der Finanzdienstleister Bellevue sieht sich trotz oder gerade wegen der Corona-Pandemie gut aufgestellt. Das Angebot insbesondere im Gesundheitswesen treffe den Nerv der Zeit, sagte Unternehmenschef André Rüegg im Interview mit der Nachrichtenagentur AWP.

"Ein Thema, das bisher ein Nischendasein fristete, hat jetzt eine ganz andere Sichtbarkeit und davon profitieren wir." Und das Anlageklima für Aktienstrategien sei bislang noch ungebrochen.

Allerdings waren die Kundenvermögen im März bedingt durch die Pandemie um 20 Prozent eingebrochen. Von dieser Delle habe sich das Unternehmen jedoch "extrem rasch erholt", so Rüegg. "Wir sind mittlerweile wieder über dem Niveau vom Vorjahr mit Vermögen an die 11 Milliarden Franken."

Private Equity als zusätzliches Geschäftsfeld

Während Strategien im Gesundheitssektor stark zulegen konnten, sind traditionelle Strategien indes unter Druck. Daher musste sich der Asset Manager nach Alternativen umsehen und übernahm unter anderem vor rund einem Jahr die im Bereich Privatmarktanlagen tätige Adbodmer, eine kleine Firma am Zürichsee. Im Visier sind dabei privat gehaltene profitable Unternehmen aus der DACH-Region, wobei es um Transaktionen zwischen 20 und 50 Millionen Franken geht - Wachstumsfinanzierungen, keine Unternehmenskäufe, wie Rüegg erläuterte. "Wir glauben jeweils an das bestehende Management oder die Besitzerfamilie und wollen gar nicht die Kontrolle übernehmen."

In diesem Jahr seien etwa drei Deals gemacht worden: mit einem Unternehmen im Bereich Bauwesen und Materialien, mit einem Hightechunternehmen im Industriegüterbereich, das eine neue Generation von optischen Linsen baut, die von der Fokussierung und der Machart sehr vergleichbar mit dem menschlichen Auge sind, und mit einem Software-IT-Dienstleister, der sich mit digitaler Bandenwerbung bei grossen Klubs der Champions League auseinandersetzt.

Nach dem Verkauf der Bank, der im Mai abgeschlossen wurde, soll derweil die Organisation der Gruppe weiter vereinfacht und Geld gespart werden. Die Zahl der Mitarbeiter ist mit der Veräusserung von rund 120 auf rund 100 zurückgegangen. "Tendenziell wachsen wir netto aber, vor allem an den Aussenstandorten in London und in Deutschland", so Rüegg. "Wir suchen im Jahr zwischen fünf und zehn Leute."

(Das vollständige Interview im Wortlaut ist auf dem Premium-Dienst von AWP zu lesen)

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