Glencore: Abspaltung des Kohlegeschäfts eine Option - nur auf Aktionärswunsch

Baar (awp) - Beim Rohstoff- und Bergbaukonzern Glencore ist auch die Abspaltung des umstrittenen Kohlegeschäfts eine Option. "Ein solcher Schritt wird aber nur unternommen, wenn er von den Aktionären gewünscht wird", sagte der neue Konzernchef Gary Nagle in einem Interview mit den CH Media-Zeitungen vom Samstag.

"Wenn etwa eine bedeutende Anzahl von Investoren dem Beispiel von Norges folgen, dann werden wir diese Option sicher genauer prüfen müssen", sagte Nagle, der Anfang Juli Langzeitchef Ivan Glasenberg auf dem Thron des Rohstoffhändlers beerbt hatte. Er hoffe, dass der norwegische Staatsfonds Norges nach dem Verkauf seiner Glencore-Aktien "angesichts "unserer Klimaambitionen wieder als Investor einsteigen wird". Vieles hänge von der Erfüllung bestimmter Kriterien ab.

"Aber klar, der Druck auf Firmen wächst, die Dekarbonisierung voranzutreiben. Das geht jedoch nicht über Nacht", sagte Nagle. Es gebe viele Betreiber aus der ganzen Welt, einschliesslich China, Indien oder Russland, die in Kohle investieren, neue Minen bauen oder die Produktion ausweiten wollten, wodurch die Emissionen ansteigen würden.

Langsamer Ausstieg

"Auch deshalb halten wir es für die bessere Strategie, das Kohlegeschäft langsam runterzufahren. Aber natürlich hören wir auch hier genau hin, was die Aktionäre von dieser Strategie halten. Wünschen sie trotz allem einen rascheren Kohleausstieg, werden wir das sicher berücksichtigen", sagte der 46-jährige Südafrikaner.

"Wir haben gesagt, dass wir unser Kohlegeschäft verantwortungsvoll herunterfahren werden. Wir werden nicht langfristig daran festhalten. Wir haben bereits kommuniziert, dass wir bis zum Jahr 2050 klimaneutral sein wollen", sagte Nagle.

Auf diesem Weg habe man sich Zwischenziele gesteckt: "So wollen wir unsere CO2-Emissionen bis 2026 bereits um 15 Prozent und bis 2035 um 50 Prozent reduzieren", sagte Nagle.

Dazu gehöre auch der Kohleausstieg. Dieser soll aber verantwortungsvoll über die Bühne gehen. "Wir werden das Kohlegeschäft sukzessive runterfahren, um allen genug Zeit für den Übergang zu geben", sagte der Glencore-Chef. Dazu gehöre auch, dass man die Minen renaturiere und die Mitarbeitenden auf Berufe ausserhalb des Bergbaus umschule.

Nagle: Sehr unabhängig von Glasenberg

Nagle gilt als Zögling von Glasenberg. Sie kennen sich schon seit langem, stammen beide aus Südafrika und haben dort gar beide an der gleichen Universität (Witwatersrand) Rechnungswesen studiert.

Obwohl Glasenberg immer noch einer der grössten Glencore-Aktionäre sei, betonte Nagle, dass er sehr unabhängig von seinem Vorgänger sei: "Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich Ivan immer anrufen kann, um seinen Rat einzuholen. Die Möglichkeit, einen solchen Branchenkenner jederzeit zu einem Sachverhalt befragen zu können, ist grossartig."

"Wenn ich eine Information brauche, ist er da. Abgesehen davon ist meine Beziehung zu ihm nicht anders als zu den anderen grossen Aktionären", sagte Nagle. Gleich nach der Übergabe Anfang Juli habe er Glasenberg zwei, vielleicht drei Mal pro Woche angerufen. "Inzwischen aber nur noch ganz selten."

jb/