Sunrise-Aktien liegen knapp unter Angebotspreis - Swisscom an SMI-Spitze

Zürich (awp) - Die Aktien von Sunrise klettern am Mittwoch um gut einen Viertel in die Höhe. Ursache dafür ist ein Übernahmeangebot von UPC-Besitzerin Liberty Global an Sunrise über 110 Franken je Aktie, mit welchem ein schlagkräftiger Konkurrent für Swisscom entstehen soll. In Marktkreisen wird dem Deal gute Chancen eingeräumt.

Die Aktien des Telekom-Platzhirschen Swisscom sind indes ebenfalls gesucht. Analysten sehen für Swisscom Möglichkeiten, zumindest während der Integrationsphase von UPC und Sunrise wieder Boden gut zu machen.

Bis um 09.40 Uhr klettern Sunrise um 26 Prozent auf 108,70 Franken und damit knapp unter den gebotenen Preis. Swisscom ziehen gleichzeitig um 1,9 Prozent auf 503,60 Franken an und sind damit bester Blue Chip. Der Gesamtmarkt (SPI) steht 0,27 Prozent höher.

In der Schweizer Telekombranche soll es nun also doch noch zur Elefantenhochzeit kommen. Nachdem die Übernahme von UPC Schweiz durch Sunrise am Widerstand unter anderem der Sunrise-Grossaktionärin Freenet gescheitert war, geht es nun in die andere Richtung: Die UPC-Besitzerin Liberty Global will Sunrise kaufen und bietet 110 Franken je Aktie. Der Deal hat somit einen Wert von 6,8 Milliarden Franken.

Gegenüber dem Durchschnittskurs der Sunrise-Aktie der letzten 60 Tage entspricht dies einem Aufpreise von 32 Prozent. Am Vortag schloss die Aktie bei 86,20 Franken. Der Verwaltungsrat von Sunrise empfiehlt das Angebot zur Annahme. Sunrise-Grossaktionärin Freenet wiederum hat sich verpflichtet, ihre gesamte Beteiligung an Sunrise von 24,4 Prozent anzudienen. Sunrise soll nach der Übernahme von der Schweizer Börse SIX dekotiert werden.

Laut einem Kommentar der Zürcher Kantonalbank sind die 32 Prozent eine hohe Prämie. Deshalb sei auch kaum mit Widertand der Sunrise-Aktionäre zu rechnen. Die ZKB oder auch die Bank Vontobel gehen weiter davon aus, dass der Übernahme regulatorisch nichts im Weg stehen sollte, da die Wettbewerbskommission (Weko) bereits im vergangenen September das OK für den umgekehrten Deal - eine Übernahme von UPC durch Sunrise - gegeben habe. Die Logik hinter der Transaktion sei die gleiche wie beim ersten Versuch eines Zusammenschlusses von Sunrise und UPC.

Für Goldman Sachs macht das Zusammengehen der beiden Unternehmen aus strategischer Sicht Sinn. Als positiv erachtet das Institut den Deal aber insbesondere für Liberty Global und für den Sunrise-Grossaktionär Freenet.

Für Swisscom ist die Genehmigung gemäss ZKB insofern relevant, als sie keine durch den Regulator getriebene Strategieänderung vornehmen muss. Sie habe - sollte die Transaktion so kommen - gute Karten, während der lange dauernden Integrationsphase von UPC mit Sunrise wieder Kunden zurückzugewinnen, die sie in den letzten Jahren an die Wettbewerber verloren habe, meint der zuständige Analyst. Und die eher teure Übernahme von Sunrise dürfte die neue UPC-Sunrise auch nicht zum exzessiven Preisdrücker werden lassen.

Etwas skeptischer bezüglich Swisscom zeigt sich Goldman Sachs. Der Zusammenschluss von UPS und Sunrise könnte für Swisscom negative Folgen haben, heisst es dort. Denn Swisscom könnte Breitbandumsätze an die Konkurrenz verlieren, da Sunrise den Telekommunikations-Verkehr auf das Netz von UPC umleiten könnte. Goldman Sachs stuft Swisscom unverändert mit "Sell" ein. Das Kursziel von 428 Franken bietet reichlich Potential nach unten.

Auch weitere Stimmen zeigen sich eher vorsichtig, was die Swisscom betrifft. Wegen des steigenden Wettbewerbsdrucks müsse sich die Marktführerin wärmer anziehen, heisst es dort.

cf/uh