ABB-Aktien deutlich höher - CEO-Abgang weckt Hoffnungen

Zürich (awp) - Die ABB-Aktien sind am Mittwoch mit deutlichen Avancen in den Handel gestartet. Der Industriekonzern hat überraschend den sofortigen Rücktritt von CEO Ulrich Spiesshofer angekündigt. Zudem wurden vorzeitig die Zahlen für das erste Quartal publiziert. Bis ein neuer Konzernchef gefunden ist, übernimmt interimistisch Verwaltungsratspräsident Peter Voser das Ruder. Am Markt zeigt man sich angesichts der unterdurchschnittlichen Kursperformance von ABB durchaus erfreut über den Abgang.

ABB notieren um 9.15 Uhr um 5,4 Prozent höher auf 21,20 Franken. Der SMI gewinnt aktuell 0,1 Prozent hinzu. Die ABB-Aktien hatten im bisherigen Jahresverlauf knapp 7 Prozent zugelegt, und lagen damit gegenüber dem SMI im Hintertreffen, der ein Plus von über 13 Prozent aufweist.

Auf die lange Sicht betrachtet war Spiesshofer aber wenig Erfolg in Sachen Aktienkurs beschieden: Zu seinem Amtsantritt vor fünfeinhalb Jahren kosteten die ABB-Papiere 20,50 Franken. Der SMI legte in dieser Zeit um gut 45 Prozent zu.

Gemäss der Mitteilung von ABB ist die Trennung im gegenseitigen Einvernehmen erfolgt. Konkrete Gründe werden keine genannt. In Marktkreisen wird auf die durchzogene Aktienkursentwicklung des Industriekonzerns verwiesen. Die Investoren seien schon länger nicht mehr zufrieden und hätten Druck gemacht, ist zu hören. Der Wechsel an der Spitze weckt deshalb vielerorts Hoffnungen. "Es wurde Zeit. ABB kam einfach nicht vom Fleck", so ein Investor.

"Der Rücktritt von Spiesshofer wird positiv aufgefasst, da die Chancen auf eine Aufspaltung des Konzerns höher eingeschätzt werden", sagte ein Händler. Der Kurs könne gut und gerne ein paar Prozent steigen. "Ob das langfristig auch nachhaltig ist, werden wir sehen."

ABB hatte im Dezember dem Druck verschiedener Aktionäre nachgegeben und den Verkauf der Stromnetzsparte an die japanische Hitachi angekündigt. Doch auch diese Transaktion gab dem Aktienkurs nicht den gewünschten Schub. Kürzlich meldete mit Artisan Partners ein weiterer aktivistischer Investor eine Beteiligung an ABB. Die Amerikaner wollen den Konzern nach der Abtrennung des Bereichs Stromnetze gar weiter aufspalten. Die jetzt erfolgte Trennung von CEO Spiesshofer erscheint vor diesem Hintergrund durchaus nachvollziehbar, so die Meinung verschiedener Marktteilnehmer.

Der Analyst der Bank Vontobel zeigt sich überrascht vom plötzlichen Abgang von Ulrich Spiesshofer. Unter Voser als Interims-CEO, der eine Menge an Erfahrungen und sehr tiefgehende Kenntnisse des Unternehmens mitbringe, werde sich ABB weiter auf die strategischen Ziele konzentrieren können, so seine Meinung.

Auch bei der UBS rechnet der Analyst mit einer positiven Reaktion auf den Chef-Wechsel. Dass könne den Eindruck verstärken, dass sich die Gruppe endlich wandle. Die ZKB verwies darauf, dass ABB die Transformation wie vorgesehen weiterführen wolle. Daher komme der abrupte Abgang des CEO überraschend.

Der von ABB für das erste Quartal vorgelegte Zahlenkranz liegt operativ gemäss den ersten Reaktionen der Analysten in etwa im Rahmen der Erwartungen. Dabei habe der Ordereingang leicht unter, der Umsatz leicht über den Erwartungen gelegen, hiess es bei der UBS. Wichtige sei jedoch dass das EBITA über den Schätzungen gelegen habe und die allgemeinen Verwaltungskosten tiefer ausgefallen sind.

Bei der ZKB hiess es, das erste Quartal habe über den Erwartungen gelegen. Der Ausblick bleibe verhalten zuversichtlich, aber eher vage. ABB gebe sich aufgrund der makroökonomischen Unsicherheiten weiterhin eher vorsichtig. Für das Geschäft in den USA und in China erwartet ABB Wachstum.

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