Asset Manager GAM löst seinen Greensill-Fonds auf

(Meldung mit weiteren Einzelheiten ergänzt)

Zürich (awp) - Der Zürcher Asset Manager GAM reagiert auf die Negativ-Schlagzeilen rund um die australische Finanzgesellschaft Greensill Capital. Nachdem die Grossbank Credit Suisse am Montag den Handel mit den umstrittenen Greensill-Fonds ausgesetzt hatte, kündigte GAM nun am Dienstag die Auflösung seines "GAM Greensill Supply Chain Finance Fonds" an.

Der Fonds wurde am Dienstag für Zeichnungen und Rücknahmen geschlossen, wie das Finanzunternehmen gleichentags mitteilte. GAM wolle so sicherstellen, dass alle Kunden gleich behandelt würden und ihnen ihre gesamte Investition "in geordneter Weise" zurückerstattet werde, heisst es in der Mitteilung.

Vermögen von 842 Mio Dollar

Laut GAM sind alle Vermögenswerte durch Drittversicherer gegen Ausfall versichert: Es bestünden dementsprechend keine Unsicherheiten hinsichtlich der Bewertung der Vermögenswerte im Fonds.

Der Fonds stehe nur qualifizierten Anlegern zur Verfügung und verfüge über ein Gesamtvermögen von 842 Millionen US-Dollar. Derzeit seien "weniger als zehn Kunden" in den Fonds investiert. GAM hatte aus dem Fonds Einnahmen von etwa 1 Million pro Jahr erzielt.

Finanzielle Schieflage

In den letzten Tagen war es in den Medien zu Berichten über eine Schieflage von Greensill Capital gekommen. Am Dienstag schrieb nun die "Financial Times", dass das Finanzunternehmen bei den australischen Behörden um Gläubigerschutz nachgesucht habe.

Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" vom Wochenende hatte Greensill hatte zuletzt versucht, bis zu eine Milliarde Dollar an frischem Kapital zu beschaffen, aber der Prozess sei wegen der Beziehung zum Stahlmagnaten Sanjeev Gupta ins Stocken geraten. Gupta war früher Greensill-Aktionär. Offenbar hatte die Credit Suisse nicht zuletzt Bedenken bezüglich der Beziehung von Greensill zum Stahlmagnaten Gupta.

Greensill Capital ist auf das umstrittene "Supply Chain Finance" spezialisiert. Dabei geht es darum, Forderungen von Lieferanten an Unternehmen vorzufinanzieren. Laut Kritikern können durch diese Methode etwa steigende Unternehmensschulden verschleiert werden.

tp/jb