Flughafen Zürich hofft auf höhere Passagierzahlen

(Zusammenfassung)

Zürich (awp) - Der Flughafen Zürich hat im ersten Halbjahr weiterhin stark unter der Coronapandemie gelitten. Dank Kostensenkungen und zusätzlichen Erträgen aus dem Immobiliengeschäft fiel der Verlust aber kleiner aus als im Vorfeld erwartet. Mit Blick nach vorne hofft das Management auf eine Fortsetzung der zuletzt positiven Trends.

Das erste Halbjahr 2021 sei stark von den pandemiebedingten Einschränkungen geprägt gewesen, teilte der Flughafen am Dienstag mit. So reisten von Januar bis Juni lediglich 2,1 Millionen Passagiere über den Flughafen Zürich. Das sind 61 Prozent weniger als im Vorjahr und sogar fast 86 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2019.

Fluggeschäft leidet am stärksten

Der Umsatz der Gesamtgruppe lag mit 263,6 Millionen Franken um 55 Prozent unter dem Vorkrisenniveau. Am stärksten reduzierten sich die Erträge aus dem Fluggeschäft: mit 65,5 Millionen Franken standen sie im ersten Semester 2021 lediglich noch für 25 Prozent der Gesamterträge. Vor Corona machten sie noch mehr als die Hälfte aus.

Drei Viertel der Erträge erwirtschaftete der Flughafen Zürich entsprechend im Nicht-Fluggeschäft, unter dem u.a. die Kommerzerträge, Parkhäuser, Immobilienbewirtschaftung sowie die internationalen Beteiligungen zusammengefasst sind. "Mit der Wiedereröffnung der Läden und Restaurants haben wir eine deutliche Belebung gespürt", sagte CEO Stephan Widrig an einer Telefonkonferenz zu den Zahlen.

Beitrag von The Circle

Die Ertragsentwicklung wurde auch unterstützt durch die neuen Mieteinnahmen aus dem Shopping- und Dienstleistungs-Zentrum The Circle, das im vergangenen November seine Türen öffnete. "Für das laufende Jahr gehen wir von einem zusätzlichen Ertrag von 20 Millionen Franken aus", sagte Finanzchef Lukas Brosi. Die Investitionen für die Fertigstellung und Abschlussarbeiten von 18 Millionen in diesem Jahr würden sich derweil in den kommenden Jahren auf einem tiefen Niveau einpendeln.

Demgegenüber stehen hohe Investitionen in den Bau eines Flughafens in der Metropolregion Delhi in Indien an, nachdem der Flughafen bekanntlich Ende 2020 den Zuschlag für das Projekt erhalten hat. "Wir gehen davon aus, das die Bauarbeiten wie geplant gegen Ende 2021 aufgenommen werden können", so Widrig. Für die erste Bauphase in den kommenden Jahren sind Investitionen von rund 650 Millionen Franken geplant.

Hoher Verlust

Trotz Kosteneinsparungen und Kurzarbeitsentschädigungen resultierte ein Halbjahresverlust von 45,1 Millionen Franken. Bereits in der Vorjahresperiode musste ein Fehlbetrag von 27,5 Millionen Franken ausgewiesen werden, nachdem 2019 noch ein Gewinn von 143 Millionen verbucht worden war. Mit einer Liquidität von 450 Millionen Franken und nicht in Anspruch genommenen Kreditfazilitäten von fast 300 Millionen sieht sich der Flughafen aber gut aufgestellt, um die Krise aus eigener Kraft meistern zu können.

Eine Voraussetzung für die Rückkehr in die Gewinnzone sei ein Passagiervolumen von rund 50 Prozent des Vorkrisenniveaus, bekräftigte der Finanzchef frühere Angaben. Derzeit liege das Passagieraufkommen aber auch an Spitzentagen noch unter diesem Richtwert. Falls sich die jüngst positiven Trends fortsetzten, dürfte dieses Niveau gegen Ende Jahr aber erreicht werden.

Aktie kaum bewegt

Mit einer rascheren Erholung rechnet das Unternehmen bei den internationalen Tochtergesellschaften in Lateinamerika. Diese seien stärker auch auf den lokalen Verkehr ausgerichtet, der sich schneller als der internationale Reiseverkehr erholen dürfte.

An der Börse sorgten die Halbjahreszahlen für wenig Aufsehen und die Aktien werden nach dem Mittag wenig verändert knapp über 150 Franken gehandelt. Von den Vorkrisenkursen von über 170 Franken sind sie damit noch ein gutes Stück entfernt. Analysten attestieren dem Unternehmen im ersten Halbjahr eine starke Kostenkontrolle, verweisen in den Kommentaren aber auch auf die anhaltend hohe Unsicherheit über die weitere Entwicklung.

an/uh