Fleischverarbeiter Bell will mit Gemüse wachsen

(Ausführliche Fassung)

Basel (awp) - Der Fleischverarbeiter Bell hat im Coronajahr 2020 nur knapp weniger umgesetzt als im letzten Jahr. Während der Detailhandel in allen Produktkategorien zulegte, wirkte sich die Krise im Convenience-Bereich allerdings stark aus. Doch gerade hier sieht das Unternehmen künftiges Wachstum.

Der Warenumsatz verringerte sich insgesamt um 0,1 Prozent auf 4,07 Milliarden Franken, wie das zur Coop-Gruppe gehörende Unternehmen am Freitag mitteilte. Beim EBIT legte das Unternehmen um 63 Prozent auf 155,6 Millionen Franken zu und unter dem Strich blieb ein Reingewinn von 118,6 Millionen Franken nach lediglich knapp 50 Millionen im Jahr 2019, als Sondereffekte stark auf das Ergebnis drückten. Von dem guten Ergebnis profitieren nun auch die Aktionäre, die eine um 1 Franken höhere Dividende von 6,50 Franken erhalten sollen.

Im Geschäftsbereich Bell Schweiz, der rund die Hälfte des Warenumsatzes ausmacht, resultierte ein Plus von 4,0 Prozent auf 2,08 Milliarden Franken. Das erfreuliche Wachstum in Detailhandel habe in diesem Bereich den Rückgang im Food Service, also der Belieferung von Restaurants, Kantinen und so weiter, mehr als kompensiert. Der Absatzkanal Detailhandel habe in fast allen Produktgruppen zugelegt, insbesondere im Kerngeschäft Fleisch. Laut der Mitteilung hat zudem der rückläufige Einkaufstourismus das Geschäft in der Schweiz weiter beflügelt.

Bei Bell International, das etwa ein Viertel zum Umsatz beiträgt, verzeichnete Bell einen Rückgang um 3,9 Prozent auf 0,98 Milliarden Franken. Allerdings habe sich die neu eingeschlagene Strategie und die Konzentration auf Schinken und Geflügelprodukte aus tierfreundlicher Haltung bereits positiv ausgewirkt.

Am stärksten von den Auswirkungen der Coronakrise betroffen war laut der Mitteilung der Geschäftsbereich Convenience, zu dem die Marken Eisberg, Hügli und Hilcona gehören. Bell verzeichnete hier einen Rückgang von 3,9 Prozent auf 1,06 Milliarden. Der Rückgang im Kanal Food Service konnte in diesem Bereich viel weniger gut durch den Detailhandel kompensiert werden, wie es im Communiqué heisst. Denn dieser Bereich fokussiert auch im Detailhandel auf Take-Away- und To-Go-Produkte, die während der Krise weniger nachgefragt waren.

Convenience als Wachstumstreiber

Doch Bell geht davon aus, dass im Convenience-Segment und dem Markt für vegetarische Produkte künftig weitere Wachstumschancen liegen. Diese Produktsegmente hätten zwar während der Pandemie gelitten, die schnelle Erholung zwischen den beiden Pandemiewellen habe aber gezeigt, dass eine strategische Ausrichtung auf diese Bereiche die richtige Entscheidung sei. Laut dem Geschäftsbericht betrug der Anteil der vegetarischen und veganen Produkte am Gesamtumsatz der Gruppe 2020 rund 21 Prozent.

Insbesondere in der Region Schweiz, Deutschland und Österreich will das Unternehmen deshalb seinen Marktanteil in den Segmenten Convenience und vegetarische Produkte weiter ausbauen. Dazu würden die Kapazitäten der neuen Produktionsstätten in Bad Wünnenberg (DE) und Marchtrenk (AT) voll ausgeschöpft, heisst es.

Gleichzeitig will Bell aber auch sein Kerngeschäft mit Fleisch, Geflügel, Charcuterie und Seafood weiter ausbauen. Dies soll durch eine weitere Differenzierung der Sortimente und Dienstleistungen geschehen. Um die Leistungskapazität im Kerngeschäft zu halten, habe die Gruppe am Standort Oensingen ein umfangreiches Investitionsprogramm gestartet. Die geplanten neuen Anlagen bringen laut der Mitteilung Verbesserungen in der Prozessautomatisierung, der logistischen Effizienz und im Bereich der Nachhaltigkeit hinsichtlich Ressourcenverbrauch und Food Waste.

Im internationalen Bereich fokussiert das Unternehmen auf die Stärkung der Marktposition bei Schinken und die Erweiterung des Geflügel-Sortiments.

tv/tt