Temenos-Aktien brechen nach Umsatzenttäuschung ein

Bern (awp) - Die Aktien von Temenos stehen am Donnerstag unter massivem Abgabedruck. Der Genfer Spezialist für Bankensoftware hatte am Vorabend ein durchwachsenes Ergebnis für das dritte Quartal veröffentlicht. Eine kürzlich vollzogene Firmenübernahme führt zudem zu einer Anpassung der Zielvorgaben für das Geschäftsjahr.

Gegen 9.20 Uhr verlieren Temenos 13,1 Prozent auf 153,65 Franken, zwischenzeitlich waren die Titel gar bis auf 148,20 Franken getaucht. Der Gesamtmarkt (SPI) wiederum steht 0,48 Prozent tiefer. Die Temenos-Valoren hatten allerdings in den Tagen vor der Resultatspublikation deutliche Kursavancen verzeichnet. Umgesetzt sind bis zu diesem Zeitpunkt rund die Hälfte des Volumens an einem durchschnittlichen Handelstag.

Analysten zeigten sich insbesondere über die Umsatzentwicklung enttäuscht. Bei den Lizenzeinnahmen als wichtigster Einnahmeposten habe Temenos die Markterwartungen um rund 5 Prozent verfehlt, monieren beispielsweise die Experten der Bank Vontobel. Der Rückgang - in der MEA-Region kam es bei der Abwicklung von Geschäften zu Verzögerungen - sei aber gut erklärt.

Knut Woller von Baader-Helvea, der sich ebenfalls am eher enttäuschenden Quartalsumsatz stösst, sieht darin die erste Ergebnisenttäuschung seit 2015. Einen weiteren Schwachpunkt macht Woller in Form des leicht rückläufigen operativen Cash Flows aus.

Positiv gewürdigt wird indes von den Analysten, dass das Unternehmen die Kosten unter Kontrolle hatte und die Erwartungen auf den Stufen EBIT und Gewinn je Aktie im dritten Quartal übertreffen konnte.

Für Gesprächsstoff sorgen die überarbeiteten Zielvorgaben für das Gesamtjahr. Neuerdings geht das Unternehmen von einem Non-IFRS-Wachstum von 18 bis 20 Prozent nach 16 bis 19 Prozent aus. Darin enthalten ist der Effekt der kürzlich übernommenen Kony. Am Ziel eines Non-IFRS-EBIT zu konstanten Wechselkursen zwischen 310 und 315 Millionen Dollar halten die Genfer hingegen fest.

Dass die finanziellen Ziele auf Stufe adjustiertem EBIT unverändert blieb, komme unerwartet, schreibt etwa Andreas Müller von der ZKB. Denn die Wachstumsdynamik habe sich gegenüber den vorherigen Quartalen klar eingetrübt. Das werfe Fragen auf, inwieweit sich das Investitionsumfeld insgesamt eingetrübt habe, so die Experten.

Der für die Credit Suisse tätige Analyst Charles Brennan nimmt den Zahlenkranz gar zum Anlass, um sein Kursziel für die Temenos-Aktien auf 169 von 175 Franken zu reduzieren. Dank einer strikten Kostenkontrolle habe Temenos trotz des schwächer als erwartet ausgefallenen Quartalsumsatzes zwar einen entsprechenden Rückgang auf der Gewinnseite verhindern können. Dennoch müsse diese Entwicklung den Anlegern zu denken geben, so schreibt er.

sig/rw