Aktien Schweiz: Kaum verändert - Zurückhaltung vor Frankreichwahl

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt tritt auch am Freitagmittag noch mehr oder weniger auf der Stelle. Jegliche Positionierung vor dem Wochenende stelle vor dem Hintergrund der anstehenden ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl ein unkalkulierbares Risiko dar, hiess es im Handel. Investoren würden sich daher mit grösseren Engagements zurückhalten. Jüngsten Umfrage zufolge liegt zwar der Sozialliberale Emmanuel Macron vorn, an zweiter Stelle folgt jedoch bereits die Rechtspopulistin Marine Le Pen. Selbst die laut PMI-Index überraschend aufgehellte Stimmung unter den Chefeinkäufern in der Eurozone vermochte die Investoren nicht hinter dem Ofen hervor zu locken.

Für den hiesigen Leitindex zeichnet sich auf Wochensicht bislang eine rückläufige Entwicklung ab. Neben dem völlig offenen Wahlausgang in Frankreich wurde auch die zuletzt gestiegenen geopolitischen Unsicherheiten als Risikofaktor genannt. Ob die am Nachmittag in den USA anstehenden PMI- und Immobilienmarktdaten dem SMI noch zu einem ausgeglichenen Wochensaldo verhelfen, bleibt abzuwarten.

Der Swiss Market Index (SMI) büsst gegen 12 Uhr 0,14% auf 8'545,55 Punkte ein. Für die feiertagsbedingt verkürzte Handelswoche ergibt sich damit vor allem in Folge eines Kursrücksetzers vom Dienstag ein Minus von aktuell rund 1%. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, verliert 0,06% auf 1'366,75 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,12% auf 9'641,31 Stellen. Von den 30 wichtigsten Titeln stehen 20 im Minus, neun im Plus und Zurich Insurance als einziger unverändert.

Die prozentual grössten Abschläge verzeichnen die oft volatilen Aryzta mit -2,9%. Unter Druck stehen auch die eher defensiven Givaudan (-1,2%) sowie die Industriewerte Geberit (-1,0%), LafargeHolcim (-0,9%) und die Aktie des Bauchemie- und Klebstoffherstellers Sika (-0,9%).

Eine grosse Belastung sind die beiden schwerkapitalisierten Roche (-0,8%) und Nestlé (-0,6%). Letztere hatten den Markt am Vortag noch gestützt, nachdem der weltgrösste Nahrungsmittelhersteller mit den vorgelegten Zwischenergebnis insgesamt positiv überrascht hatte.

Das dritte Schwergewicht Novartis hingegen legt 0,3% zu. Einem Medienbericht zufolge haben die Basler eine US-Investmentbank für einen möglichen Verkauf der kriselnden Augenheilsparte Alcon engagiert. Gegenüber AWP wollte Novartis den Sachverhalt nicht kommentieren.

Die grössten Gewinne verzeichnet die Aktie des Zollfreihändlers Dufry mit +1,9% gefolgt von ABB (+1,3%). Letztere setzen damit den relativ starken Lauf vom Vortag fort. Im Nachgang der am Donnerstag vorgelegten und besser als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen erhöhen nun einige Analysten ihre Kursziele, das Aktienresearch von S&P hebt das Anlagerating auf "Hold" von zuvor "Sell". Die Leistung des Industriekonzerns zeige in die richtige Richtung, hiess es.

Gesucht sind auch Actelion (+0,5%). Für die Aktionäre läuft am Berichtstag das Kaufangebot des US-Konzerns Johnson&Johnson aus. Bieten diese mehr als 80% ihrer Titel an, so fallen Actelion bereits fünf Handelstage später aus dem SMI sowie dem SPI. Nach Börsenschluss sollte bekannt werden, welcher Titel für Actelion in den SMI nachrückt.

Am breiten Markt fallen Panalpina mit Aufschlägen von 5,3% auf, womit die Aktie nach einem negativen Start das Vorzeichen sehr deutlich gewechselt hat. Mit den vorgelegten Quartalszahlen hat der Transportlogistiker zwar die Markterwartungen verfehlt, Analysten streichen in ersten Kommentaren allerdings das solide Volumenwachstum sowie Verbesserungen gegenüber dem Vorquartal heraus.

Einen relativ starken Lauf haben auch Sulzer (+3,8%) nach einer Kaufempfehlung der UBS. Der Industriekonzern sei auf gutem Wege, seine ambitionierten Ziele im Rahmen des Effizienz-Programms zu erreichen, heisst es dort. Nachgefragt werden nach starken Quartalszahlen auch die Aktien des Bankensoftwareanbieters Temenos (+2,1%), die am Berichtstag das erst vor wenigen Tagen erreichte Allzeithoch überschritten haben.

Auf der Gegenseite fallen Inficon um 2,4% zurück. Die vom Messtechnikunternehmen vorgelegten Zahlen haben die hohen Erwartungen der Analysten allerdings übertroffen. Nach dem markanten Kursanstieg seit Jahresbeginn würden nun Gewinne eingestrichen, hiess es im Handel.

cp/tp